Empfindsame Lebewesen - zur Ware deklariert


Als Kinder waren die Meisten von uns wohl noch ganz anders zu den Tieren, liebevoll und mitfühlend. Vielleicht haben wir sogar versucht sie zu beschützen und ich meine nicht nur Hunde und Katzen. 

Ich kann mich noch dunkel an eine Szene aus frühster Kindheit erinnern. Ich war wirklich noch sehr klein, vielleicht 4 oder 5 Jahre alt. Bei uns Zuhause gab es 2 Schweine. Man hat sie gefüttert und umsorgt, so wie man es aus Filmen kennt.

Ich weiß noch, wie ich diskutiert habe als es um ihre Schlachtung ging. Ich wollte nicht, dass ihnen etwas passiert. Obwohl ich noch so klein war, fühlte es sich so falsch und böse an. Es wurde mir immer nur gesagt, dass das eben so ist, das man es tun muss, das die Tiere dafür da wären, das sie davon nichts mitbekommen würden...... Da das Ganze so lange zurück liegt, kann ich mich nur noch an Bruchstücke erinnern. Aber ich weiß noch, dass ich furchtbar geweint habe, als sie geschlachtet wurden.

Danach wurde nie wieder bei uns geschlachtet und diese Erinnerung blieb lange Zeit vergraben. Alles was danach auf den Tellern landete, war der Anonymität verfallen. Als Kind gab es für mich danach keinen Bezug mehr zwischen Fleisch und Tieren. Durch die Konditionierung habe ich es viele Jahre verdrängt. Erst als mich 2013 mein Gewissen immer wieder plagte begann ich damit, dass System zu hinterfragen und diese Erinnerung von früher kam zurück. Schließlich wurde ich vegan, da mir das Leid der Tiere wieder unmittelbar bewusst wurde. 

Ich denke, dass es vielen von uns so ergangen ist. Durch die Verdrängung und systematische Konditionierung, haben wir uns von den Tieren abgewandt und sie als Produkte gesehen. Der typische Speziesimus eben. 

Tiere sind aber viel mehr als nur Produkte die man zu Essen und Kleidung weiterverarbeiten kann. Sie sind empfindsame Individuen und haben eine Persönlichkeit. Sie sind nicht anders als wir und wollen ein friedliches Leben führen. 

Gehen wir mal auf die typischen "Nutztiere" ein:


Schweine


Schwein in dreckigen Stall
Schweine sind sehr intelligente Wesen, die sich ihrer Existenz vollkommen bewusst sind. Die meisten Schweine werden bei uns im alter von 6-10 Monaten geschlachtet. Zu dieser Zeit haben sie bereits die Intelligenz und das Empfinden eines 3 Jahre alten Kindes. Schweine lieben es zu spielen, sich zu Sonnen, stundenlang mit Artgenossen rumzualbern. Sie erkunden gerne ihre Umgebung und Verfügen über einen sehr feinen Geruchssinn. Anders als angenommen, sind Schweine sehr reinliche Tiere. Schlammbäder gehören zu ihrer Körperpflege und dienen der Abkühlung sowie der Bekämpfung von Insekten.

In der Industrie, leiden die Säue wohl am meisten, da sie zur Zucht benutzt werden. Sie werden ständig zwangsbefruchtet um immer wieder für neue "Produktionsware" zu sorgen. Dabei fristen sie ihr Dasein in engen Schweineboxen in ihren eigenen Fäkalien. Die Ferkel werden nach kurzer Zeit von ihnen getrennt. Die männlichen werden gemästet und geschlachtet, die weiblichen werden als Gebärmaschinen missbraucht. Schweine leiden sowohl physisch als auch psychisch sehr stark unter diesen Bedingungen. Die Mütter, die nicht mehr die gewünschte Kapazität erbringen, werden ins Schlachthaus gebracht. Um Produktionsschäden zu vermeiden und den Nachwuchs zu kontrollieren. werden den Ferkeln unbetäubt die Zähne, Schwänze und Hoden entfernt.

Kühe und Rinder

Kuh in der Milchindustrie
Kühe sind ausgesprochen soziale Wesen die am liebsten in der Herde leben. Dabei können sie auch ihre Verwandten und Freunde unterscheiden. Sie sind intelligent und einfühlsam, außerdem gehören sie mit zur Gattung der Säugetiere. Als solche produzieren sie also nur dann Milch, wenn sie ein Kind gebären. Damit eine Kuh Milch gibt, wird sie also ständig Zwangsbefruchtet um die Milchleistung am Laufen zu halten. Ihre Kälber werden unmittelbar nach der Geburt von ihnen entfernt. Man muss dazu sagen, dass Kühe in Freiheit oft ein lebenlang mit ihren Kindern verbunden bleiben. Es ist für sie also eine extreme psychische Belastung und beide Weinen oft tagelang wenn sie getrennt werden. Und das alles nur, damit der Mensch auch als Erwachsener noch artfremde Muttermilch trinken kann. Normal könnte eine Kuh bis zu 25 Jahre alt werden. In der Milchindustrie sind die meisten schon im alter von 5 Jahren ausgelaugt und gelten als unprofitable und werden geschlachtet. 

Die Kälber, welche nicht der Milchgewinnung dienen, kommen in die Mast wo sie mitunter zu Kalbsfleisch verarbeitet werden. Meist passiert das noch im gleichen Jahr ihrer Geburt. Die Trennung von ihren Müttern löst bei den Kälbern starke Angstzustände und Stress aus. Was man auch nachempfinden kann, immerhin sind es Babies. 

Kalb in Box von der Mutter getrennt
Kälber leiden sehr unter der Trennung von ihrer Mutter
Leder ist auch keinesfalls ein "Abfallprodukt" der Fleischindustrie, so wie oft behauptet wird. Der Großteil stammt aus China und Indien und wird dort eigens produziert. Allein für Leder werden jährlich schätzungsweise 1 Milliarde Tiere getötet. Gerade bei dem Export aus China ist oft auch Leder von Hunde- und Katzenhäuten dabei, welche absichtlich falsch etikettiert werden. Aber egal ob Kuh, Schaf, Hund oder Katze, es sollte keinen Unterschied machen für uns da alle Tiere leiden.


Hühner

Obwohl Hühner überaus intelligent und neugierig sind, ist ihr Leben als Legehenne keinesfalls zu beneiden. Sie verbringen ihr gesamtes Leben zu tausenden auf kleinsten Raum. Pro Quadratmeter dürfen bis zu 5 Hennen gehalten werden. Nur 15 % der Hühner dürfen in Freilandhaltung leben und 8 % in Biohaltung, aber auch das schützt sie nicht vor dem Schlachthaus. Der Rest fristet sein Dasein auf engsten Raum inmitten von Kot. Da so ein Dasein auch stark auf die Psyche geht, werden den Hühnern die Schnäbel gekürzt damit sie sich nicht gegenseitig verletzen. 

Hühner im Stall

Für die Eierproduktion sind nur die Hennen von nutzen. Gleich nachdem die Küken schlüpfen werden sie gesext. D.h. man trennt die Weibchen von den Männchen. Die Weibchen kommen in die Mast oder in Legestätten und die Männchen werden vergast oder lebendig geschreddert. 

Bei einem Ei handeln es sich übrigens um die Periode einer Henne. Damit diese dauerhaft in ihrer Menstruation bleibt, wird sie mit Hormonen gefüttert. 


Schafe und Ziegen

Schafe und Ziegen sind sehr schlaue und bewegungsfreudige Tiere die am liebsten in Herden leben. So fühlen sie sich auch sicherer. Ziegen werden oft wegen ihrer Milch gehalten und stehen den Kühen in ihrem Leiden in nichts nach. Außerdem klettern sie von Natur aus sehr gern, was ihnen in Gefangenschaft nicht möglich ist. Laut Peta werden den Tiere je nach Alter nur 0,60 bis 1,90 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. 

Schaf und Lamm im Stall
Schafe werden wegen des Fleisches und der Wolle gehalten. Wobei ein Großteil der Wolle hauptsächlich aus Australien stammt. Dort werden die Tiere beim scheren oft stark verletzt. Das sog. Mulesing - eine Methode bei der große Fleischstücke entfernt werden um einen Fliegenbefall zu verhindern - wird ohne Betäubung durchgeführt. 
Das Fleisch der Schafe wird bei uns bevorzugt als Lammbraten serviert. Die Lämmer werden sehr früh von der Mutter getrennt und binnen weniger Monate gemästet und geschlachtet. 


Enten, Gänse, Truthähne, Hühner

Gans wird Zwangsernährt für Stopfleber
Bildquelle: Stopfleber.org
Diese Tiere sind allesamt sehr soziale Artgenossen die gern spielen und Sonnenbäder nehmen. Außerdem lieben lieben sie es ein Bad zu nehmen. In der Mast werden diese natürlichen Bedürfnisse nicht gestillt und die Tiere werden auf engsten Raum gehalten. Sie werden sehr schnell auf ihr Schlachtgewicht gemästet. Durch das unnatürlich starke Gewicht, erleiden viele Tiere Herzinfarkte und Knochenbrüche. Einige können nicht einmal mehr selbstständig aufstehen aufgrund der schwere und verdursten. Für die Produktion von Stopfleber (für viele eine Delikatesse), werden  Gänse mittels eines Schlauches Zwangsernährt und ihre Leber auf etwa das Zehnfache ihres Gewichts gebracht. Das erinnert mich irgendwie an eine Guantanamo Folter. Zwar ist in Deutschland die Produktion verboten, aber der Import ist erlaubt, was es auch nicht besser macht. 


Fische und Meerestiere

Fische in einem Eimer erstickenFische und Meerestiere gehen leider ziemlich oft unter wenn man über die Ausbeutung von Tieren spricht. Dabei sind sie die Gruppe, mit den meisten Verlusten. Ihre Tötungszahl ist so hoch, dass man sie nur schätzen kann. Dabei sind sie keinesfalls empfindungslos oder dumm. Der Literatur von Huntiford zufolge haben sie Sinne um Schmerzstimulation wahrzunehmen und zerebrale Mechanismen, die diese Stimulation verarbeiten und negative körperliche Reaktionen hervorrufen. 


Die Fischfangmethoden sind dagegen alles andere als zimberlich. In riesigen Netzen werden die empfindlichen Tiere gefangen. Dabei sterben sie oft qualvoll an Erstickungen oder werden unter den Massen erdrückt oder erfrieren in den Kühlboxen. Bei Hummern und Krabben ist es so, dass diese sehr häufig lebendig in kochendes Wasser geworfen werden. Damit die Tiere sich nicht wehren können, werden ihnen die Scheren verbunden.

Krabbe mit verbundenen Scheren
Hummer und Krabben werden oft lebendig gekocht
Leider bekommt man diese grausame Ausbeutung nur selten als Kind gesagt. Die meisten Erwachsenen wollen auch nichts davon wissen. Aber kein Tier würde freiwillig für uns sterben oder dieses Leid auf sich nehmen. Jeder tot ist ein gewaltsamer Akt und man stellt sich die Frage: Ist das human? 

Zu gegebener Zeit werde ich noch auf die Tiere eingehen, die in Experimenten und zur Unterhaltung ausgebeutet und getötet werden. 





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